Künstler

 

Elejan van der Felde

(Das Foto stammt von der Website des Künstlers, weitere Bilder finden Sie hier.)

Jahrgang 1987

aufgewachsen in Garyp, Niederlande

2012 - 2014        Master Interior Architecture [Cum Laude], 

                           Sandberg Institute, Studio for immediate spaces, Amsterdam

2007 - 2012        Bachelor Fine Art, ArtEZ Hogeschool voor de kunsten,  Arnhem

Elejan van der Velde war bereits im Jahr 2015 Co-Teilnehmer eines Symposiums der Van den Broek-Nolte Stiftung in Scheveningen, Den Haag. Im Rahmen dieses Symposiums verfasste er ein Essay zu dem Thema „Eine Zeit der Neudefinierung“. Dabei beschäftigte er sich mit den beiden Begriffen „Skulptur“ und „Installation“, die in der heutigen Zeit so vielfach definiert worden sind, dass diese für ihn an Bedeutung verloren haben.

Elejan van der Velde setzt statt der Unterschiede vielmehr auf die Gemeinsamkeiten beider Begriffe, indem er diese unter dem Stichwort „Bilder“ zusammenfasst. Als Bilder, die räumlich sind. „Meine Suche dreht sich darum, die Grenzen der Installation und der Skulptur als Kunstform auszuloten“, erklärte van der Velde einmal.  

Bei seinen Betrachtungen nähert er sich der Welt der Architektur. Es sind Fragen wie „Ist es heute für den Betrachter wichtig, dass eine Skulptur zum Anfassen nah ist oder kann die gleiche Aussagekraft auch in der Fühlbarkeit stecken, die ein Video übermittelt? Kann eine Bildhauerkunstausstellung bestehen, ohne physisch anwesende, räumliche Bilder?

Außerhalb des Haupteingangs von Kloster Bredelar befindet sich eine eiserne Skulptur mit dem Titel "Wasser". Es ist Teil der Reihe Quartetto, ein Quartett von Skulpturen der "vier Elemente": Luft, Erde, Feuer, Wasser. Vier Skulpturen von genau den vier wichtigsten Elementen, um Eisen zu machen. Das Bild selbst besteht aus vier stehenden Elementen und ist somit ein unabhängiges Quartett innerhalb von Quartett. Wir haben diese Skulptur 2017 platziert, um zu verkünden, dass die neue Ausstellung 2018 das Hauptthema "Eisen" sein wird. Eisen gehört zum Sauerland, wie das Erz in den Minen, der Wald durch das Feuer, der Sauerstoff in der Luft und das Wasser durch Löschen.

Vooraanzicht Van Links Van rechts Achteraanzicht
Vorderansicht Von links Von rechts Rückansicht

 

Die Skulptur besteht aus vier stehenden Säulen, die an den Wasserfluss erinnern, der tatsächlich vom Wasser fällt, weil sie von oben eng und steil sind und sich nach unten erweitern und nach vorne wehen. Dennoch bleiben sie innerhalb der quadratischen Bodenplatte, die sozusagen ein Becken bildet, in dem die Wasserstrahlen gesammelt werden.

Wenn wir um das Bild gehen, fällt auf, dass in diesem Eisen nichts gehämmert, geformt oder geschmiedet wurde, das Material scheint wie eine Paste ausgebreitet zu sein, während es dennoch aufrecht steht. Das Material ist nicht eisenartig Eisen, aber als Brammen nasse Lehm gefaltet und gerollt, bevor sie sich verhärten. In Wirklichkeit gingen die Dinge anders: große Eisenstücke wurden durch verschiedene Ursachen deformiert, Walzer, Kollisionen von Schiffen, Abriss und Blick auf bestehende Teile, bevor sie von Herbert Nouwens als Komposition zusammengesetzt wurden.

Als wir die Skulptur vor den Haupteingang des Klosters stellten, dachte die Künstlerin plötzlich an vier Nonnen, hier in diesem Vorgarten, und das macht die Skulptur für diesen Ort noch passender. Es zeigt die Offenheit des Bildhauers für vielfältige Interpretationsmöglichkeiten: Eine Skulptur nimmt immer einen Teil ihrer Bedeutung von dem Ort auf, an dem sie platziert ist.

Ein Vierecke mit vier gleichen Winkeln und vier gleichen Seiten, wie die Basis dieser Arbeit, wird Quadrat genannt. Wenn Sie es nach oben entwickeln, wird eine Stange erstellt, auch als vertikaler Balken bezeichnet oder weniger verwendet: ein Spalte, Säule oder Kolumne, die dann immer beschrieben werden muss, ob der Umfang rund oder quadratisch ist. Bei Herbert Nouwens werden wir diesem Widerspruch häufiger begegnen: dem eines organisch orientierten Plastik, der trotz seiner plastischen Qualitäten durch eine strenge geometrische Grenze begrenzt ist. Wie vier Wasserfälle in einem quadratischen Becken oder vier Nonnen in einer Zelle. Normalerweise existieren die Wände des Beckens oder der Zelle nicht wirklich, aber wir beobachten sie immer noch, weil die Skulptur eindeutig Vereinbarungen hält, von denen wir die virtuellen Grenzen erkennen.

Gleichzeitig bleibt das immer eine Interpretation. In der Skulptur 'Wasser' befindet sich die von vorne gesehen, gekrümmte Platte, links oben deutlich außerhalb des Balkenumfangs. Dieser Vorsprung im Raum ist in der Ansicht von links kaum mehr vorhanden. In der Rückansicht spielt er kaum eine Rolle. Etwas musste den Bildhauer jedoch davon abhalten, ihn weg zu sägen. Das scheint die Entscheidung eines Augenblicks zu sein. Ein Moment, in dem sich der Künstler nicht dem Zwang des Umfangs ergeben wollte, sondern beschloss, dass jede Komposition einen Kontrapunkt durchhaltet.

Blok02Der Block

Stellen Sie sich vor: ein horizontaler, rechteckiger Block. Die langen Seiten sind parallel zueinander und auch die kurzen Seiten sind parallel zueinander. Sie können sich acht Würfel in zwei Viererreihen vorstellen. Sie sind so nah beieinander, dass du keine Naht mehr sehen kannst. Nur eine rechteckige Basis, eine rechteckige Oberseite und vier rechteckige Seiten. Es ist eine einfache Form, die in der Sprache kaum beschrieben wird. Denken Sie an eine Schublade oder einen Seifenblock, einen Balken oder einen verschlissenen Schwelle, eine Kiste oder einen Ziegelstein. Aber dann aus Eisen. Der Block sieht so aus: der wichtigste Teil dieser Skulptur.

QuHN350Quartetto 4 (Wasser) 2008
Herbert Nouwens
Komprimiertem Schiffsstahl 100 x 150 x420 cm

Außerhalb des Haupteingangs von Klooster Bredelar ist eine eiserne Skulptur.

Es ist eine Arbeit von Herbert Nouwens.

Das Bild ist die Nummer 4 aus der Reihe der vier Elemente: Erde, Luft, Feuer, Wasser.

Es besteht aus vier Stapeln von komprimiertem Schiffsstahl.

Arian de Vette

 

Im Gegensatz zu Tim Breukers kommt Arian de Vette (Rotterdam 1989) nicht aus einer Künstlerfamilie. Seine Eltern, beide Biologie-Lehrer, haben ihn nicht in seiner Entdeckung des Künstlerdaseins gehindert, obwohl sie lange nicht immer verstanden haben, “womit er sich da so beschäftigte”.

Tim Breukers

 

Tim Breukers  (Tilburg 1985) stammt aus einer Künstlerfamilie. Seine Mutter ist Malerin, sein Vater Musiker, seine Schwester geht der Ausbildung an der Akademie nach. Er selbst wurde nach seiner Schulausbildung in Tilburg und Den Haag weiter an der Rijksacademie in Amsterdam ausgebildet. Und jetzt, in der Ausstellung Natura 2017 im Kloster Bredelar, orientiert er sich an den Werken des Bildhauers Sjoerd Buisman.

Sjoerd Buisman

 

Sjoerd Buisman (1948, Gorinchem) ist ein niederländischer Bildhauer, der Skulpturen von Pflanzen und Bäumen macht.
Die Pflanzen und Bäume sind der Rohstoff, mit dem er arbeitet. Sjoerd mag keine Nachahmung. Kopieren, was bereits vorhanden ist, findet er nicht notwendig. Vielmehr befasst er sich mit dem Verständnis, und lässt sich damit bereits inspirieren. So ließ er z. B.  Sansiveria ein ganzes Jahr kopfüber hängen, um herauszufinden, wie die Pflanze würden reagieren. Auf dem Bild auf der rechten Seite ist das Ergebnis.
Die Skulpturen in dem er die Wuchsform der bestimmten Früchten, Pflanzen und Bäume, manipuliert, nennt er ‚Wachstum-Arbeiten‘. In Haarlem hat er auf dem Weg in den Haarlemmerhout zwei Bogen von Linden gepflanzt, im Hof des Teylers Museum wuchs er einen Baum "auf Beinen", durch  fünf Ableger an der Unterseite des Stammes zu verplantzen.
Die ‚Wachstum-arbeiten‘ markieren den Anfang des Werks  Buismans. Die ersten Experimente fanden statt im Jahr 1968.

(Sansevieria (Sansevieria  trifasciata) 1976-1977  (nach 1 Jahr kopfüber))

31.03.2014 von: Jeroen Damen

Christina von Bitter schafft Skulpturen aus Papier. Für die Auftaktausstellung schlägt sie eine Arbeit vor, die ihrer Meinung nach derjenigen auf Seite 145 aus ihrem Werke-Katalog ähnelt, mit dem Titel „Cherubim". Zugleich schlägt sie vor, sie etwas zu verkleinern, und legt ein Foto einer anderen Arbeit bei, die sich ihrer Meinung nach ebenfalls sehr gut eignen würde (Titel folgt, hier: „Vorschlag").
Worauf es nun ankommt, ist das Betrachten. Betrachten bedeutet Sprache gebrauchen. Skulpturen können nicht ohne Sprache. Oder besser gesagt: Skulpturen können zwar ohne Sprache, wir aber nicht. Wir müssen uns der Sprache bedienen, um mit Skulpturen vertrauter zu werden, um deren Unterschiede benennen zu können, um deren Ausarbeitung zu ergründen, um sie – teilweise – zu begreifen.

12.06.2014 von: Jeroen Damen

Nachstehend folgt der Text, den Katrien mir über die Skulptur „Im Werden" schrieb, ihr Beitrag zur Auftaktausstellung in Bredelar.

1.06.2014 von: Jeroen Damen

Ein kunterbunter Kittel hängt auf einem Kleiderbügel an der Wand. Daneben ein wendelförmiger Spazierstock aus Holz. Auf dem Boden zwei Schuhe mit aufgesetzten Hörnern, die sich vorne auf der Kappe befinden. „Nashornschuhe“ nannte Lie sie, obwohl sie mich mit den veränderten Schnürsenkeln und mit ihrem breit geschnittenen Maul mindestens genauso an Welse erinnerten – diese prähistorischen Fische, die überall in Europa vorkommen.

17.06.2014 von: Jeroen Damen

Dies schreibt Corrie selbst:

25.04.2014 von: Jeroen Damen

Nachdem Elisabets und meine Wahl aus all ihren Werken auf „Painted Figure" gefallen war, mailte sie mir Folgendes:

Künstlergespräch mit Boris Sprenger am 18. Juli im Kloster Bredelar

Die Skulpturenausstellung "Unter dem Schutz der Haut hat die Zukunft bereits begonnen.", die noch bis zum 14. September im Kloster Bredelar zu besichtigen ist, präsentiert Arbeiten von 19 deutschen und niederländischen zeitgenössischen Bildhauern. Die Themen Haut und "Umhüllung" werden sowohl inhaltlich als auch optisch in vielfältigster Form dargestellt.

Malte Risse: zu meinem Werk

Titel : Eva Mutter / die unterdrückte weibliche Seele im Menschen
Material: Holz/Ton/Lichtinstallation
Entstehungsjahr: 2013

Die Eva Mutter ist ein Werk das an eine tieferliegenden Sein-Qualität im Menschen erinnern soll. Die eine Verschüttung ihrer durch die patriarchale Herrschaft erfahren hat, die auch in der Psyche eines heutigen Menschen ihre Auswirkung hat. Ich möchte hier weniger auf einer Gedankenebene dem Betrachter den Ursprung dieser Unterdrückung aufzeigen, die in der Geschichte letztendlich bis in das Alte Testament zurückreicht, sondern den Betrachter einladen sich einen Moment einzulassen und zu spüren ob etwas in Resonanz geht und diesem zu folgen.
Kunst ist in diesen Sinne eine multidimensionales Erfahren von Gefühl ,Intuition und Reflexion im Betrachter und kein lineares verstehen einer Geschichte die der Künstler komponiert hat.

    über Malte Risse

23.01.2014 von: Jeroen Damen

Kurator Jeroen Damen trifft die deutsche Bildhauerin Petra Morenzi in ihrem Atelier und spricht mit ihr über Identität, Gedächtnis und Erinnerung.

Zwei Köpfe hängen hier an der Wand – hohle Köpfe. Sie sind aus dekorativen Stoffstücken gemacht, zerschnitten und aufgetrennt, übereinander gelegt, geknetet, gefaltet, aufgebauscht zu einer Kopfform und anschließend in Bronze gegossen. Die menschliche Form bleibt erhalten, die Haut ist entmenschlicht, maskiert und trügerisch weich, ist sie doch aus steinhart patinierter Bronze. Das sind die Köpfe, die ich in Bredelar aufhängen möchte. 'Barock' nennt Petra diese Oberfläche; ein Wort, dass in unserem Ateliergespräch des Öfteren vorkommt.

04.04.2014 von: Jeroen Damen

Sculptuur als bevestiging7

Eine Bildhauerarbeit oder eine Skulptur ist natürlich nicht bloß irgendein ,Ding'. Sie ist kein Zug, kein Gemälde und kein Foto. Sie ist kein Gebrauchsgegenstand. Man kann damit nicht durch die Gegend fahren oder eine Apfelsine auspressen. Man kann sie nicht benutzen. Eine Skulptur hat – oftmals – einen speziellen Sinn.

11.06.2014 von: Jeroen Damen

Ein äußerst reizendes Modell, dieses Kleid, das an Eisendraht aufgehängt ist. Man sieht, wie die Form der Kontur des Körpers folgt. Aber da stimmt was nicht: Es fehlt ein Unterkleid, man kann quer hindurchsehen. Und dann ist es auch sofort kein Kleid mehr. Es ist jetzt ein Kleidungsstück, das von seiner Trägerin im Stich gelassen wurde oder auf ihre Rückkehr wartet. Aber da kann es lange warten, weil es äußerst unwahrscheinlich ist, dass es eine Frau gibt, die dieses hier anziehen würde. Und wenn sie es anzuziehen versuchen würde, würde sie die schmerzhafte Erfahrung machen, dass die Kabelbinder sowohl nach außen als auch nach innen stechen wie übergroße, spitze Dornen. Auf dem Detailfoto ist das gut zu erkennen.

11.06.2014 von: Jeroen Damen

Vielleicht sieht es ein bisschen aus wie eine Garnele. Wobei der Kopf, so es denn überhaupt einer ist, eher an eine Giraffe oder eine Art Pferd erinnert. Das hat auch mit den zwei wackeligen Vorderbeinen zu tun, so sie es denn sind, da Giraffen nun einmal vorne kürzere Beine haben als hinten. Sie stehen sowieso etwas schräger auf ihren Beinen als Pferde, und dies hier liegt sogar rücklings und ganz bequem auf seinem Stuhl.

23.01.2014 von: Jeroen Damen

Robin Kolleman kehrt mit ihren Skulpturen unser Innerstes nach außen. Was wir in unserem tiefsten Inneren fühlen, wird gnadenlos an der Oberfläche gezeigt. Kurator Jeroen Damen trifft sie in ihrem Atelier in Rotterdam.

11.06.2014 von: Jeroen Damen

Mich erwartet eine Überraschung. Zusammen mit Merel schlendere ich durch die Räumlichkeiten rund um ihr Atelier. Verschläge voller Eisenzeug, Maschinenersatzteile, Hausrat, Werkzeug und andere kaum noch als solche zu erkennende Geräte. Das sind ihre Schatzkammern. Irgendwann – weiß sie, und beweist es auch von Mal zu Mal wieder – entsteht aus dieser Materie eine neue Skulptur. Am liebsten eine, die sich bewegt. Sie zeigt mir die Skulpturen, die in Bredelar zu sehen sein werden. Teil für Teil und noch nicht zusammengefügt (teils in einem hoffnungslos jämmerlichen Zustand), wozu sie munter anmerkt: „Dann hast du auf jeden Fall schon einmal das Material gesehen.“

16.06.2014 von: Jeroen Damen

Als „Braut" wird eine Frau an dem Tag bezeichnet, an welchem sie den Bund der Ehe eingeht. Ein häufig gepflegter Brauch ist, dass die Braut an ihrem Hochzeitstag während der Feierlichkeiten ein spezielles Hochzeitskleid trägt. Dies hat den Künstler deutlich inspiriert. Wir sehen eine weiße Skulptur aus Pappelholz, die stark an einen Menschen erinnert, zugleich jedoch so stark vom Menschen abweicht, dass es doch mehr an ein Bauwerk erinnert.

Die Skulptur hat ohne Zweifel etwas Sakrales. Durch das rau gehackte Holz als Werkstoff wirkt die Skulptur primitiv, als ob es um eine schamanenartige Figur aus einem Naturvolk geht. Durch die stilisierende Beschränkung der Form ohne Details, durch die nicht-menschlichen Verhältnisse zwischen dem Kopf und dem Kleid und durch die auf Kreuze reduzierten Arme wird dies noch verstärkt. Die Frau trägt eine Kopfbedeckung, wie man sie von alter Trachtenmode her kennt. Und sie steht dabei still auf vier Füßen, wenig weiblich und erstarrt.

31.01.2014 von: Jeroen Damen

Sicher, für einen Augenblick liest man, was man sieht: eine Tochter auf den Schultern ihres Vaters. Eine einfach gehaltene Skulptur mit zeitgenössischen, glatten Formen. Die Sache ist schnell abgehakt. Warum aber lässt uns diese Skulptur dann nicht los?

04.04.2014 von: Jeroen Damen

Manchmal bringt dich ein Kunstwerk gehörig durcheinander. Noch bevor du es dir genauer angeschaut hast, ruft es bereits eine Emotion in dir hervor. Wissenschaftler unterscheiden zwischen Emotion und Gefühl. Emotion ist die Reaktion deines Körpers: Dein Herz klopft schneller, du errötest, du gerätst in Aufregung. Danach erst kommt das Gefühl. Es ist das Bewusstwerden deiner Emotion. Es dringt zu dir durch, dass du gerade Erregung oder Scham verspürst.
Wie dem auch sei, es geht immer um das Erleben im Sinne von ,etwas wahrnehmen'. Das hat mit ,Lernen durch Erfahrung' zu tun. Dich erneut auf etwas einlassen, das zuvor schon einmal stattgefunden hat und dir dessen (erneut) bewusst werden. Bildhauerkunst nutzt dieses Phänomen gerne und ausgiebig. Und Karin Arink auch.

16.06.2014 von: Jeroen Damen

In unserer Ausstellung eine der wenigen nicht-figurativen Skulpturen. Dr. Arie Hartog schreibt über ihn: „Ausgangspunkt für die große Skulptur ‚Land' ist die wellenförmige Horizontlinie eines Gebirgszuges, welche mit gebogenem Stahl realisiert wird. Aus einer derartigen Form, wie man sie ursprünglich in der Natur vorfindet, entsteht eine durchsichtige und transparente Struktur, die Raum umschließt." Eine bündige Zusammenfassung dessen, was man dort sieht, und zudem eine äußerst wichtige Anmerkung: dass diese nicht-figurative Skulptur durchaus auf einer „figurativen" Erfahrung gründet.

12.07.2016 von: Ursula Ströbele & Bas Hendrikx

Dan Walwin’s Videoarbeiten beschreiben verwaiste, aber häufig auch bewusst gestaltete Landschaften mit eigenen Formen, die die Präsenz des Menschen gerade durch seine Abwesenheit heraufbeschwören und die sich von den unterschiedlichen, für die  Aufnahme verwendeten Technologien ablösen.  Cess, jel ever terrass? ist eine Permutation  der gegenseitigen Abhängigkeit zwischen Objekten und Video, die Proxy-Version eines distanzierten  und zeitversetzten Raumes.

12.07.2016 von: Ursula Ströbele & Bas Hendrikx

Fünf, sich vor dem ehemaligen Kloster im Wind  bewegende Flaggen weisen abstrakte Farbmuster auf, die weder auf eine bestimmte Gruppierung oder Territorium verweisen, sondern einen Pinselduktus erkennen lassen: ein Hybrid von Malerei auf Leinwand oder Skulptur, ähnlich den von Man Ray in den 1920ern als Sculpture mouvante bezeichneten flatternden Wäschestücken? Der Witterung ausgesetzt, verändert sich die Oberfläche im Laufe der Ausstellung.

12.07.2016 von: Ursula Ströbele & Bas Hendrikx

Kapitel I zeigt die verzerrte Bewegung, die entsteht, wenn bewegte Bilder in Einzelbildern eingefangen werden. Kapitel II hingegen verdeutlicht die Stasis und Statuarik von in Büchern abgebildeten Skulpturen übertragen in ein Bewegtbild. Gemeinsamer Nenner ist dabei der Aspekt der im Einzelbild erstarrten  Zeit und der Übergang vom statischen zum bewegten Bild und umgekehrt.

12.07.2016 von: Ursula Ströbele & Bas Hendrikx

Drehort des Kurzfilms ist der Garten der Villa Romana in Florenz. Die fiktive Geschichte entwickelt sich  auf den Spuren der Vergangenheit dieses historischen Gartens, seines skulpturalen Dekors und seiner teils unscheinbaren Bewohner (Insekten, Fische, Katzen), die im geheimnisvollen Mondschein zum Leben  erwachen. Sogar die Statuen bewegen sich geisterhaft durch die Nebelschwaden und erkunden den Ort. Ein animistischer Traum, Verweis auf den Posthumanismus oder der Blick in eine surrealistische Fantasiewelt?

12.07.2016 von: Ursula Ströbele & Bas Hendrikx

Terrazzo, Jurakalk- und Betonwerkstein, Waschbeton, Travertin, Marmor, Asphalt und Stahl gehören zu  den Werkstoffen, die Mirko Tschauner in streng  geometrisch-tektonischen Gebilden im Widerspruch zu ihrer Statuarik und physischen Massivität dreht, kippt, faltet, schichtet und gegeneinander legt. Seine beiden, monumentalen Skulpturen erinnern an  gefallene, in einem Stahlgerüst verfangene Sterne  – Sinnbild einer gescheiterten Hoffnung, Allegorie  unserer apokalyptischen Grundstimmung in Zeiten  von Posthumanismus, Akzeleration und der totalen Kontrolle jeglichen Lebens?

12.07.2016 von: Ursula Ströbele & Bas Hendrikx

Im International Year of Soils entstanden diese  quadratischen, in ein Stahlgitter montierten Bodenabgussformen, die in ihrer Plastizität an topographische Karten erinnern. Die Formen sind der Pixelstruktur  von Satellitenaufnahmen entlehnt, die vielfach zur lückenlosen Erfassung der Erdoberfläche eingesetzt werden. Doch auch dieser Versuch einer Fixierung  ist angesichts unserer sich stetig in Bewegung  befindenden Welt zum Scheitern verurteilt und  daher nur als Momentaufnahme zu verstehen.

12.07.2016 von: Ursula Ströbele & Bas Hendrikx

Ludological ist eine Apparatur, die visuell Bezug  auf Infrastrukturdaten aus der Tiefsee nimmt und in  der sich Algorithmen miteinander messen. Hyper- Optimierung und hoch entwickelte Effizienzprotokolle in der Industrie 4.0 haben zu einer Entkopplung  der Ökologie von ihren Akteuren geführt. Ludological macht einen Baumstamm zum Gegenstand der Ergebnisse eines Spiels zwischen zwei Skripten, die mit jedem Gewinn oder Verlust ihres ‚Hosts’ weiter verfälscht werden, was letztendlich und unausweichlich zu dessen Zerstörung führt.

11.07.2016 von: Ursula Ströbele & Bas Hendrikx

Als Hommage an den Reichtum und die Vielfalt  natürlicher Muster und Systeme besteht Memory  aus zwölf mit Glasplatten bedeckten Kästen, die  Baumscheiben aus aller Welt enthalten. Bevor  die Scheiben zum Zweck der Versteinerung in ihre  Behälter gelegt wurden, setzte der Künstler diese Baumproben über einen längeren Zeitraum einem künstlichem Pilzbewuchs aus. Als ein fossiles Mosaik stellt Memory nun einen archivierten globalen Wald für zukünftige Generationen dar.

11.07.2016 von: Ursula Ströbele & Bas Hendrikx

Mit einer Kombination aus natürlichen und industriel len Materialien sowie gefundenen, oft aufgelesenen Objekten beschwört das Werk Frieze Masters,  Sluggish growth, Sales on home soil, Equities drift  lower (2016) eine post-technologische Welt herauf,  in der die Grenzen zwischen bisher separierten Dingen durchlässig werden. Die Erforschung von Materialität und Abstraktion verdeutlicht Hendriks Interesse an  der Korrelation von Natur und Finanzwelt, so zum Beispiel anhand der zahlreichen Naturreferenzen im englischen Vokabular der Ökonomie (sluggish growth, home soil etc.).

11.07.2016 von: Ursula Ströbele & Bas Hendrikx

Wifi-Rooter und Säulen aus leuchtenden Glasfa serkabeln bilden die Außenkonturen des filigranen,  architektonischen Rechtecks von Network/ed  Pillars, das den Grundriss eines griechischen Tempels beschreibt. Je nach Frequenz des umliegenden Datenverkehrs im Netz blinken die Kabel hell auf. Als Motivvorlage der mit einem 3D-Printer hergestellten Skulptur Anthemion dient die Fotografie eines  antiken ornamentalen Bauschmucks (Archiv Deutsches Archäologisches Institut Athen, 1928). Durch die  Doppelseitigkeit (positiv-negativ) werden die formalen Eigenschaften des Fotonegativs aufgegriffen.

11.07.2016 von: Ursula Ströbele & Bas Hendrikx

Ein Pendel an einem Baldachinbett evoziert eine  chaotische Bewegung und überträgt diese auf einen Erlenmeyerkolben mit biolumineszierenden  Bakterien in Meerwasser, die darauf mit einem Leuchten reagieren. In der Natur kommen diese auf der Körperunterseite nachts jagender Tintenfische vor, die so getarnt von ihrer Beute als Teil des über ihnen strahlenden Sternenhimmels wahrgenommen werden.

11.07.2016 von: Ursula Ströbele & Bas Hendrikx

Die Arbeiten von Rachel de Joode sind in der Grau zone zwischen Bildhauerei und Fotografie angesiedelt. Mit ihren Farbnuancen in Lachs und Rosa folgen die skulpturalen Blobjects einer ganz eigenen Logik aus verführerischen, dennoch losgelösten ‚menschlichen’ Oberflächen, deren Materialität und Agency mit  ihrer Umgebung interagieren. Sculpted Human Skin In Rock I & II are large two-dimensional shapes covered in ‚sculpted’ photographs of skin  and stand in solid marble.

11.07.2016 von: Ursula Ströbele & Bas Hendrikx

Future Fossil Spaces (2016) ist eine raumgreifende Skulptur aus Salzblöcken, komplementierenden  Gipselementen und mit Lithiumsole gefüllten Email- lebecken, deren Material auf den Herkunftsort, das südamerikanische Lithium-Dreieck (Argentinien,  Bolivien, Chile) verweist. Das hunderte Millionen Jahre alte Salz wird dort abgebaut, um daraus Lithiumsole für die Akkubatterien unserer digitalisierten Welt  zu gewinnen. Vergangenheit und Zukunft prallen in der geologischen Zeit und heutigen Nutzung aufeinander.

11.07.2016 von: Ursula Ströbele & Bas Hendrikx

The Mesh – strange strangers between life and non-life (2015) besteht aus einer Serie von myzeliumhaltigen Skulpturen, aus denen im Laufe der Ausstellung eine fremdartige und artifizielle Landschaft verschiedener Pilzsorten wächst, sich entfaltet und wieder zerfällt. The Mesh und dessen System aus Stahlbehältern, Kunststoffen und einem Luftbefeuchter vergegen- wärtigt die Problematik menschlichen Eingreifens  in das Ökosystem und die bleibenden Auswirkungen der Industrieproduktion auf die Natur.

11.07.2016 von: Ursula Ströbele & Bas Hendrikx

Einer Archäologin ähnlich arbeitet Lara Almarcegui mit Gebäuden, Städten und Orten, die sich in einem Transformationsprozess befinden. So thematisiert beispielsweise ihr Projekt Mineral Rights die Privati- sierung und Kommodifizierung dessen, was sich unter der Oberfläche befindet – die Rechte, Mineralien  abzubauen und aus den unteren Erdschichten Profit zu schlagen. Die hier gezeigten Zeichnungen bilden die aktuellen Mineralvorkommen in der Umgebung  von Bredelar ab.