16.06.2014 von: Jeroen Damen

Als „Braut" wird eine Frau an dem Tag bezeichnet, an welchem sie den Bund der Ehe eingeht. Ein häufig gepflegter Brauch ist, dass die Braut an ihrem Hochzeitstag während der Feierlichkeiten ein spezielles Hochzeitskleid trägt. Dies hat den Künstler deutlich inspiriert. Wir sehen eine weiße Skulptur aus Pappelholz, die stark an einen Menschen erinnert, zugleich jedoch so stark vom Menschen abweicht, dass es doch mehr an ein Bauwerk erinnert.

Die Skulptur hat ohne Zweifel etwas Sakrales. Durch das rau gehackte Holz als Werkstoff wirkt die Skulptur primitiv, als ob es um eine schamanenartige Figur aus einem Naturvolk geht. Durch die stilisierende Beschränkung der Form ohne Details, durch die nicht-menschlichen Verhältnisse zwischen dem Kopf und dem Kleid und durch die auf Kreuze reduzierten Arme wird dies noch verstärkt. Die Frau trägt eine Kopfbedeckung, wie man sie von alter Trachtenmode her kennt. Und sie steht dabei still auf vier Füßen, wenig weiblich und erstarrt.

Der Kopfschmuck und die fragile Art und Weise, auf welche das Oberteil des turmartigen Kleides auf den Schultern hängt, ist das Weiblichste an der Skulptur. Das geschlossene Kleidoberteil und die blockförmige Kombination aus Kopf und Kopfschmuck bilden die Krönung eines Turms, der zweifellos den „Großen Turmbau zu Babel" in Erinnerung ruft, wie er von Pieter Bruegel dem Älteren gemalt worden ist. Jeder kennt dieses Gemälde wegen seiner mehrgeschossigen Reihen rechteckiger und torförmiger Öffnungen, die von den Galerien aus Zugang nach innen gewähren. Die sprichwörtliche Sprachverwirrung dieses Turms findet sich auch in dieser Skulptur, die keine Nonne, kein Schamane und keine Frau ist, sondern etwas mit all diesen Eigenschaften zugleich.

Selbstverständlich bekommt diese sakrale Skulptur christliche Zusatzbedeutungen, sobald wir sie in einem ehemaligen Nonnenkloster aufstellen. Es gab Mystikerinnen, Beginen und Nonnen, die sich selbst persönlich als die Braut Christi ansahen. Auch hier kann es zu einer Sprachverwirrung mit einem Bibeltext kommen (Offenbarung 19:6,7), in dem über „die Hochzeit des Lammes" gesprochen wird, womit nach Meinung einiger Leute Israel als Seine Braut angedeutet wird. Eine Braut zu sein, kann ein Verlangen nach einer Liebesbeziehung ausdrücken, – wie etwa zwischen einer Nonne und „ihrer" Kirche –, auch aber kann es eine Bestätigung eines altmodischen gesellschaftlichen Verhältnisses sein, bei welchem der Frau erst dadurch, dass sie „die Frau von" ihrem Mann war Wertschätzung entgegengebracht wurde, und sie gleichzeitig voll und ganz von ihm abhängig war.

Die große Braut von Klaus Hack scheint diese Diskussion zu übersteigen. Mit ihren zweieinhalb Metern Höhe ist diese Braut größer als wir alle, und durch ihr Brautkleid als offen stehendes Gebäude wird sie jedem zugänglich, der sie mag.

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